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Familienfreundlichkeit Deutschland mittelprächtig
In Sachen Familienpolitik macht den Skandinaviern keiner so schnell etwas vor: Die nordischen Länder liegen im Familienfreundlichkeitsindex des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) an der Spitze – das heißt, sie haben Ziele wie ein hohes Bildungsniveau der Kinder bereits weitestgehend erreicht. Deutschland belegt in dem 19-Länder-Ranking einen Mittelfeldplatz.
Relativ gut sieht es in Deutschland beim Thema Bildungsniveau aus. In Tests wie PISA und IGLU erreichen die Schüler hierzulande im Vergleich der betrachteten 19 europä- ischen Staaten überdurchschnittliche Ergebnisse. So kam Deutschland bei den PISA-Ergebnissen in Naturwissenschaften im Jahr 2006 mit 516 Punkten ins obere Mittelfeld. Finnland lag mit 563 Punkten an der Spitze – das Schlusslicht war Griechenland mit nur 473 Zählern. Bedenklich ist allerdings, dass der Anteil an Jugendlichen mit geringen Kompetenzen hierzulande groß und der Zusammenhang zwischen familiärer Herkunft und Bildungserfolg immer noch hoch ist: So ließen sich im PISA-Test 2006 fast 16 Prozent der Unterschiede zwischen den Bildungsniveaus des Nachwuchses mit der sozialen Situation der Elternhäuser erklären. In Italien etwa trifft dies lediglich auf 7,5 Prozent zu. Immerhin hat sich die Bundesrepublik zuletzt verbessert: Im Jahr 2000 gingen zum Beispiel noch knapp 24 Prozent der Lese-Unterschiede auf das Konto der sozialen Herkunft. Familienarmut. Relativ wenig Armut Eine weitere Stärke Deutschlands liegt in der Vermeidung von Familienarmut. Nur rund 10 Prozent der Eltern mit einem Kind hatten im Jahr 2007 weniger als 60 Prozent des bedarfsgewichteten mittleren Einkommens zur Verfügung. Kommen noch Geschwister hinzu, wird es kritischer: In Haushalten mit mehr als zwei Kindern sind hierzulande 12 Prozent der Jungen und Mädchen von Armut bedroht. Besser ist wieder einmal der Norden: In Dänemark leben nur 4 Prozent der Einzelkinder in armen Haushalten, bei Familien mit mehreren Sprösslingen ist der niedrigste Wert in Norwegen zu finden – hier haben die Eltern von lediglich 8 Prozent der Kinder zu knapsen. Ganz anders sieht es im Süden Europas aus: Ein Fünftel der Einzelkindfamilien lebt in Griechenland in Armut. Bei Mehrkindfamilien kommt Portugal auf traurige 43 Prozent. Mit rechnerisch 1,38 Kindern pro Frau liegt Deutschland im europäischen Vergleich weit abgeschlagen hinter dem Spitzenreiter Frankreich mit zwei Kindern pro Frau. Auch das Alter der Mütter bei der ersten Geburt ist in Deutschland relativ hoch – im Jahr 2005 waren die Erstgebärenden durchschnittlich 29,1 Jahre alt. Anfang des Jahrzehnts betrug der Altersschnitt noch 28,2 Jahre. Mehr Arbeitsplätze für Frauen Immer mehr Frauen gehen in Deutschland einem Job nach. So erreichte beispielsweise die Erwerbstätigenquote von hochqualifizierten Frauen im Alter zwischen 25 und 64 Jahren im Jahr 2007 knapp 81 Prozent. Fünf Jahre zuvor waren es erst 78 Prozent. Auch mittel- und geringqualifizierte Frauen haben mittlerweile bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Von einer steigenden Frauenerwerbstätigkeit profitiert letztlich auch der Staat: Arbeitnehmerinnen, die z.B. über ihren Ehemann in der gesetzlichen Krankenversicherung mitversichert waren, zahlen nun selbst in den Topf mit ein. Allerdings stagniert seit ein paar Jahren der Aufholprozess der weiblichen Beschäftigten beim Thema Lohnabstand. Frauen verdienen im Schnitt 23 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Wenn es um die finanzielle Unterstützung für Familien geht, ist die Bundesrepublik relativ spendabel, besonders in Sachen Steuervergünstigungen: Sie machten im Jahr 2005 etwa 0,9 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus – ein Spitzenwert in Europa. Auch das Kindergeld ist gemessen am mittleren Verdienst eines Arbeitnehmers überdurchschnittlich hoch. Krippen, Kitas und andere Betreuungsangebote für Kinder sind in Deutschland heiß begehrt – aber es gibt nicht genug Plätze. So werden hierzulande gut 21 Prozent der unter Dreijährigen betreut – in Dänemark sind es über 70 Prozent. Was fehlt ist Zeit Zwar gibt es mittlerweile eine attraktive Elternzeit, dank derer auch Väter einen Anreiz haben, mit ihrem Nachwuchs zusammen zu sein – doch generell gibt es mit dem Faktor „Zeit“ ein Problem: Die meisten Eltern haben davon zu wenig, vor allem dann, wenn sie neben Windelnwechseln auch noch an ihrer Karriere basteln: Akademiker in Deutschland steigen nach der Regelstudienzeit erst mit 25 Jahren voll in den Job ein – in Spanien und England dagegen bereits mit Anfang 20. Trotz des Nachholbedarfs in einigen Bereichen kann Deutschland insgesamt eine positive Bilanz ziehen: Es hat sich innerhalb von fünf Jahren am zweitstärksten von den 19 untersuchten Ländern verbessert. IW > zurück |
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© CIW Wirtschaftsnachrichten, letzte Änderung: 13.06.2010 |
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