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Betteln
„Spitzenverdiener“ schaffen bis zu 100 Euro am Tag
„Haste mal nen Euro“ – diesen oder ähnliche Sprüche hört man vermehrt in Deutschlands Fußgängerzonen. In der Advents- und Weihnachtszeit hoffen besonders viele Bettler oder „Schnorrer“ – wie sie sich selbst nennen – auf Mitleid und Geberlaune. Verlässliche Angaben über die Zahl der Bettler gibt es nicht. Sozialverbände schätzen, dass es rund 20.000 Obdachlose gibt.

Neuerdings betteln aber immer mehr arme Leute, Hartz-IV-Empfänger und andere Personen mit festem Wohnsitz, heißt es in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Bei den Bettlern gebe es Abstufungen und Schichten. Am schlechtesten gehe es jenen, die nur still auf dem Boden sitzen. Wer auf andere Menschen zugehe, könne seine Einnahmen verbessern. Noch mehr milde Gaben erhielten Musikanten und Personen, die ihre Bedürftigkeit herausstellen, indem sie etwa eine Krücke oder einen Rollstuhl benutzen. Wer aber gehen könne und sich dennoch in einen Rollstuhl setze, begehe Betrug. „Spitzenverdiener“ hätten einen Stundenlohn von zehn Euro. Wer lange durchhalte, könne 100 Euro am Tag einnehmen und gehöre damit zur „Oberschicht“.

Organisierte Bettelei nimmt zu

Nach Angaben des Bayerischen Innenministeriums hat die organisierte Bettelei deutlich zugenommen. Allein im ersten Halbjahr 2009 seien über 1.100 Fälle aktenkundig geworden. Vor allem aus Osteuropa würden Banden meist nach München gebracht. Wenn es sich um EU-Bürger handele, die kein Visum benötigen, habe man keine rechtliche Handhabe gegen sie. Die Münchener Polizei empfiehlt aber, Frauen mit Bettelkarten in den Händen und Babys auf dem Arm kein Geld zu geben. Mit Spenden unterstütze man lediglich die kriminellen Machenschaften im Hintergrund.

Kirchgänger geben wenig

Soll man Bettlern überhaupt Geld geben? Die Meinungen dazu sind geteilt. Kirchgänger haben nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung (München) statistisch am wenigsten für die Armen übrig, wobei Protestanten noch weniger gäben als Katholiken. Auf der Internetseite www.evangelisch.de heißt es, Bettlern Geld zu geben, zähle nach evangelischem Glauben nicht zu den Werken der Gerechtigkeit: „Vielmehr sollen Christen Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben, Fremde bei sich aufnehmen, Nackte bekleiden sowie Kranke und Gefangene besuchen.“ Und so hätten Protestanten seit Jahrhunderten kostenlose Essensausgaben organisiert, bei der Integration von Fremden geholfen, Krankenstationen gebaut und Strafgefangene resozialisiert. Bei dieser Art der Hilfe seien Protestanten schon immer ausgesprochen großzügig gewesen. Man könne auch das Gespräch mit Bettlern suchen, sie zum Essen oder ins Kino einladen.

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© CIW Wirtschaftsnachrichten, letzte Änderung: 13.06.2010